Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) geht davon aus, dass Depressionen - nach den Herz-Kreislauf-Erkrankungen - im Jahr 2020 zu den zweithäufigsten Krankheiten gehören werden. Doch in Deutschland scheinen die (Haus-)Ärzte noch nicht gut darauf vorbereitet zu sein, schenkt man den Wissenschaftlern Glauben. Zum einen werden Patienten mit Angststörungen nicht als solche erkannt, zum anderen auch fälschlicherweise als depressiv eingestuft.
"Das bedeutet jedoch nicht, dass Hausärzte nicht kompetent genug sind, depressive Erkrankungen als solche zu erkennen", beschwichtigt Dr. Martin Sielk von der Universität Düsseldorf. Warum depressive Erkrankungen in Hausarztpraxen häufig falsch diagnostiziert werden, haben nun mehrere Studien untersucht. Gezeigt wurde dabei auch, wie oft Allgemeinmediziner Symptome ihrer Patienten auf eine Angsterkrankung zurückführen.
Die Analyse ergab, dass Hausärzte seit den 80er Jahren konstant bei etwa zehn Prozent ihrer Patienten eine depressive Erkrankung diagnostizieren. Allerdings wird etwa die Hälfte aller tatsächlichen Fälle von diesen Ärzten nicht als solche erkannt. Mit zunehmender Schwere der Depression steigt die Anzahl der richtig diagnostizierten Fälle jedoch an.
"Dass depressive Erkrankungen von Allgemeinmedizinern nicht immer eindeutig als solche erkannt werden, liegt unter anderem daran, dass klinische Leitlinienempfehlungen zur Behandlung dieser Leiden in der Hausarztpraxis auf besondere Probleme stoßen", erklärt Sielk. "Psychiater gehen bei der Diagnose von Angsterkrankungen stark formalisiert vor. Allgemeinmediziner beziehen dagegen viele Faktoren bei der Analyse ihrer Patienten mit ein. Zum Beispiel befragen sie die Behandelten auch nach ihrem persönlichen Umfeld."
Ob ein Patient antriebsarm, lustlos und traurig sei, weil er nach einem psychologischen Diagnoseschema als depressiv eingestuft werde, spiele für den Hausarzt jedoch keine Rolle. Er müsse seinen Symptomen entsprechend behandelt werden, auch wenn er womöglich nach den in der Psychiatrie geltenden Kriterien nicht als depressiv eingeschätzt wird.
Quelle: ZFA - Zeitschrift für Allgemeinmedizin 2005; 81 (11): S. 474-479, S. 482-485, S.486-490
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Letzte Änderung: 12.02.2007, 14:00 Uhr
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Stand: 12.02.2007, 14:00 Uhr
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