PHILADELPHIA (MedCon) – Menschen leben ihren Glauben ganz unterschiedlich aus, manche engagieren sich in ihrer Gemeinde, andere ziehen es vor, im Privaten zu beten und zu meditieren. Eine neue Forschungsarbeit der Temple University zeigt, dass die Art und Weise, wie ein Mensch seinen Glauben auslebt, Einfluss auf sein Depressionsrisiko hat.
Das Forscherteam um Dr. Joanna Maselko untersuchte die Religionsausübung von 918 Studienteilnehmern in drei Bereichen:
- den regelmäßigen Besuch von Gottesdiensten, der darauf hindeutet, dass jemand sich in einer Kirche engagiert;
- religiöses Wohlbefinden, das sich auf die Qualität der Beziehung, die ein Mensch mit einer höheren Macht hat, bezieht;
- existenzielles Wohlbefinden oder Spiritualität, also das Gefühl eines Menschen für den Sinn seines Daseins.
Maselko und ihre Kollegen verglichen jeden Bereich der Religionsausübung mit dem Risiko für Depressionen. Überraschenderweise zeigte sich, dass jene Studienteilnehmer, die über ein hohes religiöses Wohlbefinden verfügten, 1,5-mal häufiger schon einmal eine Depression gehabt hatten als diejenigen mit einem niedrigen Grad an religiösem Wohlbefinden.
Der Grund hierfür könnte sein, so die Wissenschaftler in der Online-Ausgabe von Psychological Medicine, dass Menschen, die an Depressionen leiden, häufig Zuflucht in der Religion suchen, um mit ihrer Erkrankung fertig zu werden. Infolgedessen haben sie eine engere Beziehung zu Gott und beten mehr.
Weiterhin stellte sich heraus, dass diejenigen Studienteilnehmer, die regelmäßig einen Gottesdienst besuchten, zu 30 Prozent seltener schon einmal eine Depression gehabt hatten. Bei denjenigen mit einem hohen Grad an existenziellem Wohlbefinden war die Wahrscheinlichkeit für eine Depression sogar um 70 Prozent niedriger.
Engagement in der Kirchengemeinde biete die Möglichkeit zu Interaktionen mit anderen Gemeindemitgliedern, so die Forscher. Dies helfe, Bindungen zu anderen Menschen aufzubauen – ein wichtiger Faktor in der Vorbeugung von Depressionen.
„Menschen mit einem hohen Grad an existenziellem Wohlbefinden haben meist ein gutes soziales Fundament, weshalb sie auch emotional sehr ausgeglichen sind”, kommentierte Maselko. In weiteren Untersuchungen müsse nun geklärt werden, was zuerst kommt: die Depression oder die Religiosität.
Quelle: Erstellt von MedCon aus: Psychological Medicine, online veröffentlicht am 6. Oktober 2008
![zurück zum Seitenanfang [link]](skin_img/skin_contentSiteInfo-backToTop-arrow.gif)
Letzte Änderung: 24.11.2008, 16:39 Uhr
produced by GPM mbH
URL: http://www.depressionen-verstehen.de/service/aktuelles/antidepressive_therapie/2008-11-24/
Stand: 24.11.2008, 16:39 Uhr
© 2012 Merz. Alle Rechte vorbehalten.