KÖLN (MedCon) – Viele Frauen erleben in den Wechseljahren (Klimakterium) – meist zwischen Ende 40 bis Mitte 50 – nicht nur körperliche Veränderungen. Auch die Psyche gerät meist arg in Mitleidenschaft: Plötzlich fühlt man sich alt und unattraktiv, ausgebrannt und gereizt – Niedergeschlagenheit und Ängstlichkeit können folgen.
Bloße Stimmungsschwankungen oder echte Depression? Um die richtige Therapie zu finden, gilt es, die Ursachen möglichst vom Facharzt abklären zu lassen. Denn: Eine Hormontherapie bessert keine echte Depression und Antidepressiva keine Wechseljahrsbeschwerden.
Etwa ein Drittel aller Frauen in den Wechseljahren berichten von heftigen Stimmungsschwankungen bis hin zu depressiven Verstimmungen. Dass es einen Zusammenhang zwischen Hormonspiegel und Stimmung gibt, ist unstrittig. Davon zeugen nicht zuletzt die Erfahrungen vieler Frauen vor der Monatsblutung: Reizbarkeit und Niedergeschlagenheit gehören zu den gängigen Beschwerden des prämenstruellen Syndroms (PMS).
Manche Frauen erleben, dass Gefühlsschwankungen in den Wechseljahren heftiger ausfallen oder länger anhalten. Der Schluss liegt daher nahe, dass der sich ändernde Hormonhaushalt schuld ist. „Treten solche Veränderungen auf, ist der erste Schritt, eine Ursachenforschung zu betreiben“, erklärte der Gynäkologe Prof. Olaf Ortmann bei der Jahrestagung des Berufsverbandes, „denn sie müssen nicht hormonell bedingt sein, sondern können auch mit den Lebensumständen zusammenhängen.“
Er warnte vor dem einfachen Schluss, Stimmungstiefs in den Wechseljahren würden durch den Mangel an Hormonen verursacht, also könnten Hormongaben sie bessern. „Zwar gibt es in der psychiatrischen Literatur Beispiele dafür, dass Hormone bei einer Depression tatsächlich wirksam sind. Aber ihre Zahl ist so gering, dass kein Arzt auf die Idee kommen würde, eine echte Depression mit Hormonen zu behandeln.“
Allerdings zeigten Erfahrungen aus dem gynäkologischen Alltag, dass manche Frauen Stimmungsschwankungen erleben, wenn sie eine Hormontherapie absetzen. In solchen Fällen seien Risiken und Lebensqualität sorgfältig gegeneinander abzuwiegen.
Besteht der Verdacht, dass eine Frau an einer echten Depression leidet, ist ein Psychiater der richtige Ansprechpartner, um der Erkrankung auf die Spur zu kommen und eine adäquate Behandlung einzuleiten. Dafür kommen Medikamente und eine begleitende Psychotherapie infrage. Bei leichten bis mittelschweren Depressionen können Präparate mit Johanniskraut ausreichen – die Wirkung setzt in der Regel allerdings erst nach mehreren Wochen ein.
Bei schweren Formen wird der Arzt Antidepressiva verschreiben. Diese Medikamente wirken auf den Stoffwechsel im Gehirn. Sie normalisieren die Menge der Botenstoffe, von denen bei Depressionen zu wenig vorhanden sind. Antidepressiva entfalten ihre Wirkung nicht bei Gesunden, die sich eine Zeitlang schlecht fühlen – folglich auch nicht bei „einfachen“ Wechseljahrsbeschwerden.
Eine echte Depression entwickelt sich aus dem Zusammenspiel verschiedener Faktoren. Dabei kann z.B. eine Veranlagung für eine depressive Erkrankung durch äußere Faktoren wie belastende Lebensereignisse oder eben auch das Klimakterium aktiviert werden und zum Ausbruch der Depression führen.
Neben Niedergeschlagenheit, Angstgefühlen und Antriebslosigkeit können bei einer Depression auch körperliche Symptome wie Kopfschmerzen, Appetitlosigkeit oder Herz-Kreislauf-Probleme auftreten, vor allem auch Schlafstörungen, Reizbarkeit oder Erschöpfung. Letztere plagen allerdings auch Frauen in den Wechseljahren. Um eine echte Depression auszuschließen, sollten Betroffene bei starken Beschwerden auf jeden Fall den Facharzt konsultieren.
Quelle: MedCon, November 2006
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Letzte Änderung: 12.02.2007, 14:00 Uhr
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Stand: 12.02.2007, 14:00 Uhr
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