KÖLN (MedCon) - Depressive Menschen nehmen Schmerzen anders wahr als Gesunde. Oberflächliche Schmerzreize wie sie durch Hitze, Kälte oder Strom auf der Haut ausgelöst werden, spüren sie später als gesunde Menschen. Unter tiefen, aus dem Körperinnern kommende Beschwerden - wie etwa Rücken-, Magen- und Kopfschmerzen - leiden sie dagegen schneller und mehr.
Für diese Erkenntnisse erhielt ein Forscherteam um Prof. Karl-Jürgen Bär von der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Universitätsklinikum Jena den Förderpreis für Schmerzforschung 2006.
Vor drei Jahren stellten die Wissenschaftler fest, dass depressive Patienten eine erhöhte Schmerzschwelle haben. Damals testeten sie jedoch nur äußerliche Schmerzreize. In der aktuellen Studie untersuchten sie die Reaktion von 30 Testpersonen auf einen durch Mangeldurchblutung im Arm ausgelösten Schmerz. "Diesen so genannten ischämischen Schmerz, der tiefen Körperschmerzen wie im Rücken oder Magen ähnelt, haben depressive Patienten bereits nach 30 Sekunden als höchst unangenehm empfunden," erklärt Prof. Bär. "Gesunde Studienteilnehmer klagten erst nach 50 Sekunden - konnten den Schmerz also fast doppelt so lange ertragen."
Depressive klagen etwa doppelt bis dreimal so häufig über Schmerzen wie gesunde Menschen. Die Studie zeigt, dass es offenbar Verknüpfungen zwischen Schmerzempfinden und Gehirn gibt. Bär warnt deshalb davor, die Beschwerden als Jammern abzutun und rät, sie stärker zu beachten und zu behandeln als bisher. Klinische Daten zeigen, dass Patienten mit unbehandelten Schmerzen nach der Depressionsbehandlung dreimal häufiger einen Rückfall erleiden.
Quelle:
Erstellt von MedCon aus Mitteilung der Deutschen Gesellschaft zum Studium des Schmerzes (DGSS) anlässlich der Verleihung des Förderpreises für Schmerzforschung 2006 auf dem Deutschen Schmerzkongress, Berlin, 12.10.2006
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Letzte Änderung: 31.01.2008, 18:08 Uhr
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URL: http://www.depressionen-verstehen.de/service/aktuelles/schmerz/2006-12-12/
Stand: 31.01.2008, 18:08 Uhr
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