SAN DIEGO/LA JOLLA (MedCon) – Das Gehirn von Menschen mit Depressionen scheint stärker zu reagieren, wenn es Schmerz erwartet. Zudem zeigt es Veränderungen in der Funktion des Nervenzellnetzes, das die Empfindlichkeit gegenüber Schmerz kontrolliert, so der Bericht amerikanischer Wissenschaftler in den Archives of General Psychiatry.
„Chronische Schmerzen und Depressionen sind häufige und oft überlappende Beschwerden“, schreiben die Autoren. Mehr als drei Viertel aller Patienten mit Depressionen leiden an chronischen Schmerzen; zwischen 30 und 60 Prozent der Patienten mit chronischen Schmerzen berichten von depressiven Symptomen.
Dr. Irina A. Strigo von der University of California San Diego in La Jolla und ihre Kollegen untersuchten 15 junge Erwachsene mit Depressionen, die keine Medikamente einnahmen, und 15 Gleichaltrige, die nicht unter Depressionen litten. Die Patienten mit Depressionen füllten einen Fragebogen aus, der aufzeigen sollte, wie sehr sie dazu neigten, Schmerz aufzubauschen, darüber zu brüten oder sich dem Schmerz hilflos ausgeliefert zu fühlen.
Alle Teilnehmer – auch diejenigen ohne Depressionen – unterzogen sich einer funktionellen Magnetresonanztomographie (fMRI), einem bildgebenden Verfahren, das die aktivierten Regionen im Inneren des Gehirns darstellt. Während der fMRI war an den Armen der Studienteilnehmer ein heizbares Gerät angebracht, das bis zu einem schmerzhaften Grad (im Durchschnitt etwa 47 Grad) oder bis zu nicht schmerzhaften Temperaturen erhitzt wurde. Bevor schmerzhafte Hitze angewendet wurde, sahen die Teilnehmer ein rotes Signal, bei nicht schmerzhaften Temperaturen war das Signal grün. Sie wussten also zuvor, ob sie ein Schmerz erwartete oder nicht.
Im Vergleich zu den Studienteilnehmern ohne Depressionen zeigte sich bei den Patienten mit Depressionen auf den fMRI-Aufnahmen eine höhere Aktivität in bestimmten Hirnregionen – darunter auch der rechten Amygdala, einem Kerngebiet des Gehirns, das eine wichtige Rolle bei der Entstehung von Angst und bei der Bewertung von Emotionen spielt –, wenn sie einen schmerzhaften Hitzereiz erwarteten.
Auch während des Schmerzreizes war bei den Depressionspatienten die Hirnaktivität in der echten Amygdala erhöht, in anderen Hirnregionen dagegen niedriger als bei den Vergleichspersonen. Unter anderem waren auch diejenigen Hirnregionen betroffen, die für die Schmerzmodulation zuständig sind, also die Anpassung der Schmerzempfindlichkeit während eines schmerzhaften Erlebnisses.
Um herauszufinden, ob die Aktivierung der Amygdala mit eher passiven Bewältigungsstrategien verbunden ist, verglichen die Forscher die prozentuale Veränderung der Aktivierung der Amygdala mit der Hilflosigkeit, dem Brüten und den Auswirkungen von Schmerzen, die von den Patienten mit Depressionen in den Fragebögen angegeben wurden.
„Wir fanden in der Gruppe von Depressionspatienten bedeutsame positive Verknüpfungen zwischen größerer Hilflosigkeit und stärkerer Aktivität in der rechten Amygdala während der Erwartung von Schmerz“, schreiben die Autoren. „Die vorausschauende Reaktion des Gehirns könnte auf eine übermäßige Wachsamkeit gegenüber drohenden Schmerzen hindeuten; dies wiederum könnte zu verstärkten Gefühlen der Hilflosigkeit und schlecht angepassten Modulation während des durch den Hitzereiz ausgelösten Schmerzes“, schreiben sie weiter. „Dieser Mechanismus könnte teilweise erklären, weshalb Depressionen und chronische Schmerzen so oft gemeinsam auftreten.“
Quelle: Erstellt von MedCon aus: Strigo IA, Simmons AN, Matthews SC, Craig AD, Paulus MP. Association of major depressive disorder with altered functional brain response during anticipation and processing of heat pain. Arch Gen Psychiatry. 2008; 65 [11]:1275-1284
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Letzte Änderung: 15.01.2009, 15:42 Uhr
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Stand: 15.01.2009, 15:42 Uhr
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