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Hilfe bei Depressionen in Anspruch zu nehmen ist aus verschiedenen Gründen oftmals schwierig, mit viel Aufwand verbunden oder langwierig. Durch verschiedene Optionen ist es aber dennoch möglich, eine professionelle Begleitung auf dem Weg aus der Depression zu erhalten. Wichtig ist dabei vor allem der erste Schritt.

Überwindung zur Hilfe bei Depressionen

Trotz zunehmender Aufklärung handelt es sich bei Therapie und Depression immer noch um ein Tabuthema. Betroffene befürchten, dass sie von ihrem privaten und beruflichen Umfeld verurteilt werden. Offen darüber zu sprechen fällt daher schwer. Dieser Zustand verschlimmert sich noch, wenn nahestehende Personen, Kollegen oder Vorgesetzte abfällige Kommentare über die Erkrankung äußern oder sogar deren Existenz infrage stellen und sie als Einbildung verurteilen.

Umso wichtiger ist es, die Krankheit selbst als real und ernst anzuerkennen. Auch bei leichteren depressiven Verstimmungen oder Trauer ist es nicht nur sinnvoll, sondern oftmals nötig, sich Hilfe zu suchen. Je schneller dies geschieht, umso frühzeitiger kann eine entsprechende Behandlung oder Begleitung möglich sein.

Dennoch kann die Überwindung dazu eine große Herausforderung darstellen. Günstig ist es daher, kleinschrittig vorzugehen und sich zunächst die zahlreichen Möglichkeiten bewusst zu machen. Denn diese beinhalten nicht das Risiko einer Verurteilung. Hinzu kommt, dass Depressionen anzusprechen aufgrund der größeren emotionalen Distanz einfacher fällt.

Hilfe bei Depressionen beim Hausarzt

Die erste Anlaufstelle bei einer vermuteten Depression sollte der Hausarzt darstellen. Dieser kann bei Bedarf oder auf Wunsch an einen Psychiater überweisen und weitere geeignete Anlaufstellen nennen. Weitere Vorteile umfassen direkte Maßnahmen zur Verbesserung des körperlichen Zustands oder eine Vermittlung von Notfallstellen in besonders schwierigen Fällen. Diese bestehen unter anderem bei suizidalen Gedanken.

Allerdings handelt es sich bei einem Hausarzt nicht immer um die beste Lösung. Gegebenenfalls ist der nächste offene Termin noch weit entfernt und stellt daher bei sehr hohem Leidensdruck kaum eine Hilfe dar. Eventuell werden die bestehenden Probleme nicht erkannt oder ernstgenommen, sodass der Arztbesuch die Depression noch verschlimmern kann und entmutigend wirkt. Nicht zuletzt aus diesem Grund finden sich weitere Anlaufstellen. Dennoch sollte zunächst ein Termin vereinbart werden, um diese Möglichkeit zu nutzen.

Psychotherapeuten und Psychiater

Eine weitere Möglichkeit ist es, sich direkt an einen Psychotherapeuten oder einen Psychiater zu wenden. Der Vorteil hieran ist, dass umfassendes Wissen und Erfahrungen im Umgang mit Depressionen vorhanden sind. Wer hier Hilfe sucht, wird ernst genommen und muss keine Vorurteile befürchten.

Zudem kann eine Therapie geplant und begonnen werden, die zum einen bei der Ursachenfindung hilft. Zum anderen lassen sich Mittel und Maßnahmen einsetzen, um den Zustand zu verbessern und die Depression zu lindern. Der Leidensdruck kann bereits durch das therapeutische Gespräch gesenkt werden.

Ebenso werden äußere Einflüsse und die Lebensweise berücksichtigt. Gegebenenfalls haben mehr Schlaf und Bewegung einen förderlichen Einfluss. In anderen Fällen sind zusätzlich Medikamente erforderlich. Bereits das Wissen um Auslöser und potenziell wirksame therapeutische Methoden kann Zuversicht geben und damit ebenfalls einen positiven Effekt haben. Es ist aktivierend und zeigt auf, das auch kleine Veränderungen eine deutliche Verbesserung erzielen können.

Allerdings besteht bei dem direkten Kontakt zu einem Psychotherapeuten oder Psychiater wiederum die Gefahr, dass lange auf einen Termin gewartet werden muss. Bei einer Therapie vor Ort kommt die Anfahrt hinzu. Diese kann für von Depressionen Betroffene eine erhebliche Hürde darstellen. Für langfristige Hilfe, die von der Krankenkasse übernommen wird, ist eine solche Therapie jedoch unumgänglich.

Der Caritasverband kann eine gute Anlaufstelle für Menschen darstellen, die unter Depressionen leiden. Neben Selbsthilfegruppen und Erfahrungsgruppen ist eine Vermittlung an Therapeuten möglich. Die jeweiligen Möglichkeiten und vorhandenen Angebote sind jedoch abhängig von dem Stadt- oder Landkreis. Ebenso wie bei Hausarzt oder Therapeut lohnt sich die Anfrage. Es muss allerdings mit Wartezeiten gerechnet werden. Bei akuten Problemen kann diese Form der Hilfe daher keine geeignete Option darstellen. 

Apps und Online-Angebote

Wer in besonders schwierigen Situationen und bei einem hohen Leidensdruck schnelle Unterstützung benötigt, kann diese dank Apps und Online-Angeboten erhalten. Therapeuten sind hier unter anderem telefonisch oder per (Video-)Chat erreichbar. Termine sind häufig noch am gleichen Tag möglich, was einen bedeutenden Vorteil darstellen kann. Zudem sind Erstberatungen oftmals unverbindlich und in einigen Fällen sogar kostenlos. Auf diese Weise kann bereits während eines Gesprächs festgestellt werden, ob und wie diese Hilfe im individuellen Fall infrage kommt.

Neben der kurzen Wartezeit sind die digitalen Möglichkeiten vielseitig. Durch E-Mail, Video, Chat oder Telefonat kann das Gespräch überall stattfinden. Daher eignen sich diese Varianten beispielsweise auch für Menschen, die häufig unterwegs sind oder Schwierigkeiten mit dem Verlassen der Wohnung haben.

Leider werden die Kosten für die Therapie auf diesem Wege nur in den wenigsten Fällen von der Krankenkasse übernommen. Bei privaten Krankenversicherungen lohnt es sich anzufragen.

 

Dennoch ist sie ratsam, wenn der Kontakt zu einem Therapeuten erstmals ausprobiert werden soll, sehr hoher Redebedarf oder eine Krise besteht.

Selbsthilfe

Hilfe bei einer Depression besteht nicht nur aus der Therapie an sich. Selbsthilfe kann mit der passenden Anleitung ebenfalls erheblich zu einer Besserung beitragen. Selbstbestimmung und Selbstwirksamkeit werden dabei trainiert. Möglich sind beispielsweise:

Zielsetzung

Menschen mit Depressionen fühlen sich oftmals überfordert. Der Berg an Arbeit und Aufgaben vor ihnen scheint unüberwindbar. Zugleich sind Betroffene meist sehr streng mit sich selbst, was ebenfalls lähmend wirken kann. Besser ist es daher, sich pro Tag nur wenige und kleine Ziele zu setzen, die erreichbar sind. Das kann der Anruf bei einem Freund sein, das Wegräumen des Geschirrs, ein Spaziergang oder der Eintrag in ein Tagebuch.

Erfolge dokumentieren und anerkennen

Aufgrund der Strenge zu sich selbst können depressive Menschen das Gefühl haben, nichts zu erreichen. Hilfreich ist es daher, erreichte Ziele und Erfolge zu dokumentieren und diese auch anzuerkennen. Sie stehen für einen Fortschritt, was weiteren Auftrieb geben kann.

Bewegung

Spaziergänge und Sport haben generell einen positiven Einfluss auf die Gesundheit und das Wohlbefinden. Auch hier gilt jedoch wieder, dass klein angefangen werden sollte. Eine Runde um den Block reicht anfangs aus und lässt sich leichter umsetzen als eine Stunde zu joggen.

Ernährung

Eine ausgewogene Ernährung ist eine wichtige Voraussetzung für die Gesundheit. Bei Depressionen wird sie jedoch häufig vernachlässigt, was sich negativ auf den gesamten Zustand auswirken kann. Fehlt der Antrieb, um selbst einkaufen zu gehen oder zu kochen, findet sich oftmals ein Lieferservice mit gesunden Menüs oder ein Supermarkt, der unter anderem Gemüse und Obst nach Hause liefern kann.

Schlaf

Ausreichend Schlaf und Entspannung während einer Depression zu finden kann eine Herausforderung darstellen. Die Gedanken kreisen und lassen sich kaum stoppen. Das Aufschreiben von Gedanken und Gefühlen kann hilfreich sein. Ebenso wie das Einführen eines Schlafrituals.

Soziales Netz pflegen

Freunde und Familie eignen sich zwar nicht als Therapeuten, stellen aber doch einen wichtigen Faktor dar. Gespräche und gemeinsame Aktivitäten können daran erinnern, dass Rückenhalt vorhanden ist und für Lebensfreude sorgen. Das ist jedoch nur der Fall, wenn es sich um positive und wohltuende Kontakte handelt. Ständige Konflikte, negative Kommentare und Menschen, die sehr dominant sind, können hingegen negative Einflüsse auswirken.

Hilfe für Angehörige

Unter Depression leiden nicht nur die Betroffenen selbst. Auch Angehörige und Freunde können sich rat- und hilflos fühlen. Eine Therapie ist nicht unbedingt erforderlich. Selbsthilfegruppen und der damit verbundene Austausch sorgen aber zum einen für Aufklärung und ein besseres Verständnis. Zum anderen können Tipps eingeholt werden und es lässt sich von den Erfahrungen anderer profitieren.

Hilfreich ist es weiterhin, sich stetig über die Erkrankung zu informieren und die eigenen Grenzen zu kennen. Denn auch als Elternteil oder bester Freund kann eine nahestehende Person einen Therapeuten nicht ersetzen. Hilfsangebote in Form von Einkaufen oder dem Übernehmen von Anrufen sind aber möglich.

Gespräche mit dem Betroffenen sind ebenfalls hilfreich, da Depression für jeden anders ist und unterschiedlich ausgeprägt sein kann. Ein verbessertes Verständnis kann sich wiederum positiv auf das eigene Verhalten und die Beziehung zu dem Betroffenen auswirken.

Welche Hilfe bei Depressionen ist richtig?

Das ist individuell verschieden, sodass keine pauschale Antwort gegeben werden kann. Entscheidend auf der Suche nach der passenden Option sind Geduld und Durchhaltevermögen. Denn gegebenenfalls ist zwar Therapie der richtige Weg, die Beziehung zum Therapeuten ist jedoch nicht stimmig und es muss ein neuer gesucht werden. Ähnlich verhält es sich bei Antidepressiva. Nicht in jedem Fall erzeugt das gewählte Medikament die gewünschte Wirkung und ein Wechsel ist erforderlich.

Auch wenn sich die Suche nach der richtigen Hilfe schwierig gestaltet, ist es möglich sie zu finden