Depressiv, weil nichts funktioniert? Ein Lösungsansatz

Fast jeder kennt diese Tage oder auch komplette Phasen, in denen nichts zu funktionieren scheint. In denen wirklich alles schief geht. Depressive Episoden oder auch handfeste Depressionen haben häufig ihren Ursprung in solchen Situationen. Wie geht man am besten damit um, wenn alles um einen herum einstürzt? Der amerikanische Strength Coach Elliott Hulse zeigt in einem seiner Videos einen pragmatischen Lösungsansatz, der trotz der religiösen Metaphern auch nichtreligiösen Menschen helfen kann.

Inhalt:

Eine Frage der Perspektive

Im Video beschäftigt sich Elliott Hulse mit der Frage eines Followers, der konkret wissen möchte, was er tun kann, wenn sein Leben nur noch aus einem Trümmerhaufen besteht und alles zusammenbricht. Hulse dreht die Fragestellung zunächst herum, um die Perspektive zu ändern. 

Zu Zeiten, in denen alles gut läuft und das Leben lebenswert erscheint, halten wir alles für perfekt und möchten nicht, dass sich etwas ändert. Doch es liegt in der menschlichen Natur, in Zeiten des erreichten Erfolgs träge zu werden und in den eigenen Anstrengungen nachzulassen. Man sündigt sowohl im metaphorischen als auch im tatsächlichen Sinne. 

Wurde das Ziel erreicht und man hat endlich sein Wunschgewicht, fallen viele Menschen wieder in ihre alten Routinen zurück und nehmen die schlechten Gewohnheiten wieder auf, die sie sich zuvor mühsam abtrainiert hatten. Oftmals setzt man also selbst den Impuls für den nächsten Absturz, indem man das Erreichte nicht schätzen lernt und dankbar dafür ist, wie die Dinge sind. 

So, wie uns schlechte Dinge in eine Depression stürzen können, haben gute Ereignisse das Potenzial, uns allzu selbstgefällig zu machen. Beides ist letztlich negativ, so Elliott Hulse. Stolz und Sünde sind religiöse Begriffe, sie lassen sich aber auch in Gefühle wie Selbstzufriedenheit und Selbstmitleid oder Apathie übersetzen. Solche Extreme führen uns auf einen falschen Weg.

Versuche, schlechte Dinge in einem neuen Licht zu sehen und deine Perspektive anzupassen. Im größeren Zusammenhang erscheinen viele Schicksalsschläge im Nachhinein betrachtet als Chance.

Der Ertrag der Dankbarkeit oder einfach Karma?

Manche Menschen nennen es Karma, aber gleichgültig, wie man darüber denkt, lässt sich kaum leugnen, dass sich die Investition in Dankbarkeit und Großzügigkeit auszahlen kann, wenn es einmal nicht so gut läuft. Tut man Mitmenschen etwas Gutes, wenn man die Möglichkeit dazu hat, ist die Wahrscheinlichkeit groß, ebenfalls Hilfe zu bekommen, wenn man sie benötigt. 

Ob das nun eine göttliche Regel des Karma ist oder auf mathematischen Chancen basiert, bleibt letztlich egal. Elliott Hulse empfiehlt, zu Zeiten, in denen es uns gut geht, Dankbarkeit und Großzügigkeit zu zeigen, damit wir eine größere Chance auf Hilfe in schlechten Zeiten haben. 

Das Beste daran: Geht es einem gut, ist es viel einfacher, Gutes zu tun und anderen Menschen zu helfen. Diese Zeit sollte man also nutzen, um den Ertrag der Dankbarkeit irgendwann ernten zu können.

Warum sollten wir anderen Menschen helfen?

Natürlich kann es passieren, dass man die Großzügigkeit nicht 1:1 zurückerhält und vielleicht lange darauf warten muss, bis sich diese positive Einstellung auszahlt. Vielleicht zahlt sie sich auch nie aus. Aber sie bewirkt, dass wir mit einer größeren Bescheidenheit an das Leben herangehen und gute Dinge nicht für selbstverständlich nehmen. Das sind sie nämlich nicht.

 Viele Faktoren entziehen sich unserem Einfluss und basieren auf Zufall, Glück oder göttlicher Intervention, wenn man es so ausdrücken möchte. Obwohl wir viel für unseren Erfolg tun können und unsere Arbeit einen Großteil des Weges ausmacht, geht ohne das notwendige Quäntchen Glück nichts. 

Widerfährt uns Glück, sollten wir also dankbar dafür sein. Ob nun einem Gott gegenüber oder einfach aus altruistischen Motiven, bleibt sich letztlich gleich. Wer anderen hilft, bekommt oft auch eine andere Sichtweise auf das Leben. 

Etwas, das wir für selbstverständlich halten, kann für andere ein unerreichbares Glück sein. Menschen, denen es viel schlechter geht als uns, sollten wir daher eine helfende Hand reichen, um uns selbst auf ein höheres Level der Erkenntnis zu bringen. Geht es uns selbst dann irgendwann schlecht und bricht unsere Welt, wie wir sie kannten, zusammen, ist diese erweiterte Perspektive nicht nur hilfreich, sondern häufig der Weg, mit Herausforderungen umzugehen.

Nicht an der falschen Front kämpfen

Die meisten Menschen neigen dazu, mit den Umständen zu ringen, die ihr Leben gerade weniger lebenswert machen. Religiös ausgedrückt, ist es der Versuch, mit dem Satan zu kämpfen. Ein Kampf, den man nicht gewinnen kann. 

Ebenso, wie man mit einem Sturm nicht kämpfen kann, der einen trifft. Wohl aber kann man ums Überleben kämpfen und die Voraussetzungen dafür schaffen, die Lage besser zu bewältigen, indem man sich bei gutem Wetter entsprechend auf den Sturm vorbereitet. Wer einmal in einer solchen Notlage war, schätzt die alltäglichen Bequemlichkeiten plötzlich viel mehr. 

Die Kleider auf dem Leib, das tägliche Essen auf dem Teller, die eigene Gesundheit und nach Möglichkeit Menschen in unserem Umfeld, die uns lieben. Verlieren wir etwas, hilft es, sich darauf zu besinnen, was wir noch haben – und wenn es am Ende nur noch das nackte Leben ist.

Warnung:

Vergeude deine Energie nicht damit, dich gegen Dinge zu wehren, die nicht zu ändern sind. Investiere deine Kraft und deinen Kampfgeist in die Ursachen deiner Probleme, nicht in deren Symptome.

Das Negative zum Positiven wenden

Es sagt sich leicht, die schlechten Dinge einfach positiv sehen zu müssen. Dessen ist sich auch Elliott Hulse bewusst. Er sagt ganz klar, dass die negativen Dinge nicht schon allein deshalb aus deinem Leben verschwinden, nur weil du dich positiven Aspekten zuwendest.

Positives Denken ist zweifellos wichtig, kann aber für sich allein nicht für eine Änderung deiner Lebensumstände sorgen. Es ist vielmehr nur ein wichtiges Element, um die notwendigen Voraussetzungen dafür zu schaffen.

Elliott verweist an dieser Stelle einmal mehr auf die Religion und die Leiden, die sämtliche Heiligen der Kirche zu durchleben hatten. Kein Heiliger hatte es einfach, viele wurden zu Märtyrern, weil sie grausam hingerichtet wurden. Was sie zu Heiligen macht, ist ihre Durchhaltefähigkeit, dieses Leid zu ertragen und das Beste daraus zu machen. 

„Jeder hat sein Kreuz zu tragen“ ist ein geflügeltes Wort – und tatsächlich musste selbst Jesus bekanntlich ein sehr schweres Kreuz tragen. Elliott Hulse spannt damit einen Bogen zum alltäglichen Leben. Gute und schlechte Dinge passieren, egal, wie wir uns verhalten. 

Die Frage ist, wie wir damit umgehen, wenn es uns gut oder schlecht geht, weil das einen Einfluss darauf hat, wie wir unser Leben letztlich meistern. Negative Gedanken führen zu negativen Einstellungen und Handlungen. Und genau das ist damit gemeint, positiv zu denken. 

Man kann die negativen Elemente nicht durch positive Gedanken verschwinden lassen, man kann ihnen aber die Macht nehmen, das eigene Handeln weiterhin negativ zu beeinflussen.

Der einzige leichte Tag war gestern

Das Motto der U.S. Navy Seals lautet „The only easy day was yesterday.“

Damit ist gemeint, dass die Herausforderungen, die wir gestern gemeistert haben, nicht dazu verführen sollten, uns zurückzulehnen, weil wir das Schlimmste ja schon hinter uns haben. 

Tatsächlich bringt jeder neue Tag seine eigenen Herausforderungen mit sich und die können um einiges schwieriger werden, als wir es uns gestern überhaupt vorstellen konnten. Aus diesem Grunde, so Elliott Hulse, darf ein Coach oder Trainer auch nicht nachlassen. 

Wer auf ein bestimmtes Ziel hin trainiert, muss die Herausforderungen steigern. Man erzielt keine Fortschritte, wenn man mit den leichten Gewichten vom letzten Monat trainiert. Es immer schwerer zu machen, befähigt uns erst dazu, auch mit den wirklich heftigen Herausforderungen fertigzuwerden und unser Bestes zu geben. 

Wer also aktuell durch eine harte Zeit geht, kann dies auch als Chance begreifen, an der Herausforderung zu wachsen. Der alte Spruch „Was uns nicht umbringt, macht uns stärker“ bringt es passend auf den Punkt.

Ruhe dich nicht auf Erreichtem auf, sondern bereite dich auf die kommenden Herausforderungen vor.

Das Leben besteht aus Triumph und Niederlage

Das ganze Leben ist ein Kreislauf. Das hat uns nicht nur der König der Löwen gelehrt.

Elliott Hulse greift in seinem Video das Beispiel eines mächtigen Baumes auf, der im Garten steht. Dieser mächtige Baum war einst nur ein kleines Samenkorn, das vergehen musste und zerstört wurde, um dem Baum das Wachstum zu ermöglichen. Und das zieht sich durch das gesamte Leben. 

Jedes Jahr wachsen neue Blätter und Früchte, die am Ende des Jahres vom Baum fallen und zersetzt werden, um ihre Nährstoffe letztlich dem Baum wieder zuzuführen. So ähnlich sieht der Coach auch unser Leben – harte Zeiten gehören ebenso wie gute Zeiten zum Kreislauf unseres Lebens und ermöglichen uns, daraus neue Stärke zu ziehen. Das bedeutet es letztlich, zu leben. 

Sich weiterzuentwickeln und Niederlagen in Siege zu verwandeln – auch wenn es manchmal unmöglich erscheint. An diesen Niederlagen nicht zu verzweifeln, sondern daran zu wachsen, ist die eigentliche Kunst.

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