Wozu Leben? Der Sinn des Lebens erklärt

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Vertieft in Trauer & Depressionen

Was ist der Sinn des Lebens? Diese Frage stelle ich mir besonders in schwierigen Phasen des Lebens. Ich stecke tief in der Trauer fest. Von einem Verlust falle ich in den nächsten. Immer mehr negative Ereignisse übernehmen die Gedankenkontrolle. Positive Ereignisse gehen komplett unter und werden nur für wenige Minuten wahr genommen. Ich habe fasst nur noch einen Blick für die schlechten Dinge. Die guten Dinge werden akzeptiert und die Freude auf später verschoben. Vielleicht kann ich mich ja zu einem späteren Zeitpunkt über Erlebnisse, die mich jetzt glücklich machen sollten, freuen.  

Tägliches Tränen vergießen wird zur Normalität. Anfangs der Trauer wurde nur in besonders sentimentalen oder einsamen Momenten geweint. Abends beim Musik hören oder beim Autofahren, dort ist man alleine und kann die Gedanken schweifen lassen. Mittlerweile fließen Tränen beim Duschen, während dem Essen, beim Arbeiten, beim Einkaufen oder während Sport und Spazieren.  Es wird mindestens 50% des Tages in Tränen verbracht. So häufig, bis es kaum noch möglich ist, dann beginnt das Spiel nach einem Tränenfreien Tag von vorne.

Ich denke viel an vergangene Zeiten und wünschte ich könnte dorthin zurück. Doch es wird nie wieder so kommen, wie es einmal war. Die ständigen Gedanken an die Vergangenheit, machen es umso schwieriger. 

Kaum ein Gedanke sieht eine positive Zukunft, obwohl im Unterbewusstsein klar ist: Zeit verheilt Wunden. Es wird wieder besser werden. Doch das hier und jetzt, ist so präsent, das es immer stärker wird und die Überhand gewinnt. Oft begebe ich mich mit Absicht in diese Rolle und will Leiden. Hilfe anzunehmen fällt schwer… wird man gefragt wie seinem geht, ist die Lüge einfacher als die Wahrheit

Es besteht zwar kein akuter Gedanke daran Suizid zu begehen, doch weitere soziale Isolation macht die Vorstellung erträglicher, da es somit kaum noch Menschen gibt, die darunter Leiden würden. Vergeht ein Tag ohne soziale Kontakte, bestätigt dies die Gedanken nicht erwartet und nicht vermisst zu sein. Vielleicht ist es ganz bewusst möglich, sich durch wenig Kontakt zur Außenwelt und unhöflichen Verhalten noch stärker zu isolieren, so das man eines Tages kaum noch eine Rolle in dem Leben der Mitmenschen spielt. Hat man diese Gleichgültigkeit erreicht, spielt es kaum noch eine Rolle zu Leben oder nicht und die geliebten Mitmenschen würden nicht – oder zumindest deutlich weniger – leiden wenn man eines Tages nicht mehr existiert. 

Tag für Tag überwinden - Wofür?

Diese Phase verleitet dazu, sich für jegliche alltägliche Dinge aufraffen zu müssen. Dinge die sonst ganz normal waren, da man schließlich ein Ziel hat und sie somit gerne getan hat.  

Ich muss mich überwinden um den Tag zu überstehen. Ich tue Dinge, die getan werden müssen und weil sie erwartet werden. Dinge, damit unser Körper funktioniert, wie er eben funktioniert. 

Treffen mit Freunden, der Familie oder sonstige Anlässe sind kleine Highlights auf die es sich hinarbeiten lässt. Für solche Anlässe funktioniere ich weiter. Außerdem will ich niemanden enttäuschen und erzähle kaum jemanden von meinen Depressionen. 

Vielleicht wird in Zukunft der Kontakt zu anderen Menschen gesucht, nur um die Zeit besser zu überbrücken. Doch Lust Menschen kennen zu lernen besteht eigentlich nicht, man ist lieber in sich gekehrt und beneidet die glücklichen Menschen. 

Ich höre andere Menschen lachen und wünsche mir auch solche Gefühle empfinden zu können. Wieso können die das? Wann habe ich das letzte mal so gelacht? Ich empfinde keine Freude und lache gekünstelt mit. Alles was mir bisher Freude gemacht hat, dient heute nur noch als Ablenkung um den Tag zu überstehen und Zeit zu verstreichen. 

So überstehe ich jeden Tag, bis ich irgendwann nicht mehr existiere. Selbst wenn ich Kinder haben sollte, ergeht es den Kindern irgendwann genauso. Auch sie leben nur vor sich hin, funktionieren und sterben irgendwann. Generation für Generation. Was ist der Sinn darin zu Leben? Wenn wir alle nur unsere Zeit absetzen, uns ernähren, fortpflanzen und funktionieren?

Es kommt der Gedanke auf: Wozu das ganze überhaupt? Warum jeden Tag auf neues überwinden. Das Leid wächst und wächst. Anstatt das es leichter wird, wird es nur schwieriger. Warum weitermachen? Was ist der Sinn des Lebens?

In dieser Phase stelle ich mir die Frage nach dem Sinn des Lebens so häufig wie noch nie zuvor.

Wozu existieren wir überhaupt?

Das Leben so wie wir es kennen, besteht nur aufgrund einer äußerst seltenen und unwahrscheinlichen Verkettung von naturwissenschaftlichen Ereignissen. Lebewesen sind nichts anderes als biochemische Kraftwerke, welche die Entropie im Universum erhöhen, also Nahrung verdauen und in Wärme umwandeln. Die Energie kommt zum Großteil von der Sonne und wurde durch Produzenten, also Pflanzen, in Cellulose, Stärke und Glucose gespeichert.

Lebewesen sind letztendlich nur durch Adaption, Selektion und Mutation evolviert, bis hin zum Menschen, der als einzige Lebensform auf diesem Planeten, vielleicht sogar im Universum, sich seiner Existenz bewusst ist und verzweifelt einen Sinn darin sucht. Die damaligen primitiven Menschen konnten sich naturwissenschaftliche Phänomene wie Vulkanausbrüche, Unwetter etc. nicht erklären und erdachten daher die Götter. Genauso wegen der Angst vor dem Tod entstanden Vorstellungen und Hoffnungen von einem Leben nach dem Tod.

Der Gedanke unsere Existenz hätte einen tieferen Sinn, basiert daher nur Hoffnungen und Glauben. Selbst wenn die Menschheit irgendwann aufgrund der Technologie biologisch unsterblich werden sollte, irgendwann werden auch die letzten Elementarteilchen im Universum zerfallen, alle Sterne ausgebrannt sein und nur noch ewige Leere und Kälte vorhanden sein.

Du hast also die Wahl: Entweder du glaubst an einen Gott und ein mögliches Leben nach dem Tod oder du glaubst nicht daran und machst einfach nur das, was dich bis zum unvermeidbaren Ende glücklich macht? 

Was ist also der Sinn darin zu leben?

Der einzige Sinn des Lebens scheint zu sein: Damit wir existieren. Einen wirklich tieferen Sinn hat es noch nie gegeben.

Allein unsere Existenz ist unser Sinn. Das Leben ist der Sinn. Das was existiert ist also dein Sinn des Lebens. Wenn es für dich Sinn macht Sport zu betreiben, einen Baum zu pflanzen, Kinder zu kriegen oder andern Aufgaben nach zu gehen, dann ist das dein persönlicher Sinn des Lebens. So hat jeder seinen eigenen Lebenssinn

Da unsere Existenz unser einziger Sinn ist, sollten wir diese Existenz so schön wie nur möglich gestalten. Denn am Ende sterben wir sowieso. Das Leben endet, ganz egal ob wir es in Trauer und Depression verbringen, oder ob wir das beste daraus machen. 

Dein Leben ist dein einziger Besitz

Dieses eine Leben das du hast, ist dein einzig wahrer Besitz. „Life is our only true possession“. Es ist alles was du je hattest und je haben wirst. Erinnerungen sind alles. Darum ist es ratsam, so viele schöne Erinnerungen zu haben wir nur möglich. Sie sind alles was dir bleibt. 

Beschäftigung gegen Depressionen und für mehr Sinn

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Viel Ablenkung, Hobbys und Ziele können Depressionen verringern. Zwar ist bei Süchtigen eine Isolation und bei Trauernden eine Verarbeitung wichtig, doch dadurch erhöht sich langfristig auch die Gefahr die Symptome zu verstärken

Schon vor langer Zeit gab es ein Experiment mit Ratten, welche isoliert in ihren Käfigen zwei Wasserflaschen zur Auswahl hatten. Eine gefüllt mit Wasser, die andere mit Heroin angereicht. Die Ratten waren einsam, hatten Langeweile und bevorzugten das Heroin Wasser um High zu werden und somit einer Beschäftigung nach zu gehen. Alle Ratten sind nach spätestens 20 Tagen gestorben. 

Das Experiment wurde wiederholt, dieses mal waren die Ratten aber mit zahlreichen anderen Ratten in größeren Käfigen, hatten viel Beschäftigung, viel Nahrung und auch der Möglichkeit sich zu paaren. Das Heroin-Wasser war für die Ratten deutlich uninteressanter. Keine der Ratten wurde süchtig und keine der Ratten ist durch eine Überdosierung gestorben. 

Zwar ist dies nicht 1:1 auf den Menschen übertragbar und nicht unbedingt mit Depressionen zu vergleichen, dennoch zeigt es mir, das Beschäftigung, Hobbys, Ziele und ein soziales Leben dazu beitragen können, den negativen Dingen weniger Raum zu geben. 

Mit Ablenkungen den Alltag überstehen

Einsam und ohne Beschäftigung zu sein ist das schwierigste. Besonders wenn man sich in Trauer befindet. Auch wenn du es dir oft wünscht alleine und ohne jeglicher Beschäftigung zu sein, so sollte die Zeit in Isolation nicht all zu viel von deinem Leben einnehmen. Zumindest nicht dann, wenn du merkst, dass es dir in der Zeit alleine besonders schlecht geht. 

Ablenkungen mögen aus pessimistischer Sicht nur dazu dienen die Zeit zu überstehen und Älter zu werden, bis wir irgendwann nicht mehr existieren weil wir von ganz alleine sterben werden. Trotzdem ist es ratsam Beschäftigungen nach zu gehen, da dies weniger Platz für Negativität gibt und auch zu schönen Erinnerungen gemacht werden kann. 

Außerdem speichert das Gehirn neue Erlebnisse deutlich besser ab, als ständig die gleichen Geschehnisse. Erinnerst du dich an einen Phase wo du jeden Tag das gleiche gemacht hast? Jeden Tag das gleiche Spiel gespielt hast oder einen langweiligen Job nachgegangen bist? Im groben und ganzen vielleicht, aber nicht an jeden einzelnen Tag. Erinnerst du dich dagegen an den Urlaub in dem du an einem Tag wandern warst, am anderen Helikopter geflogen bist und am anderen schnorcheln gewesen bist? Gewiss. Denn diese neuen Erinnerungen speichert das Gehirn deutlich besser ab. Neue Erlebnisse, neue Orte, neue Menschen oder auch einfach nur neue Ernährungsformen, können schon für Veränderung und neue Erinnerungen sorgen. 

Von allein passiert allerdings nichts. Ohne „Gelegenheiten“ kann auch nichts neues passieren. Wenn man alleine zu Hause sitzt, ist noch nie etwas wundervolles passiert. Niemand klopft eines Tages an deiner Tür und holt dich da raus, man muss sich immer alleine herausziehen. Nichts zu machen, ist demnach die schlechteste Option

Tipps zur Beschäftigung:
Tipps für neue Erinnerungen:

Leben ist Urlaub von der Ewigkeit

Besonders wenn man an dem Gedanken festhält das unser Leben das einzige ist was wir jemals haben werden, lohnt es sich dieses schön zu gestalten und nicht mit zu viel Negativität zu füllen. Unser Leben ist Urlaub von der Ewigkeit. So sollte es auch genutzt werden. 

Egal ob diese Ansicht positiv oder negativ aufgenommen werden mag, ob man an ein Leben nach dem Tod glauben mag oder nicht, so lohnt es sich immer dieses Leben als Urlaub von der unendlichen Ewigkeit anzusehen.

Verbringe deine Lebenszeit so schön wie möglich, bevor die Ewigkeit einkehrt. 
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