Symptome

Inhalt:

Eine Depression wird nur dann diagnostiziert, wenn bestimmte, klar definierte Symptome vorliegen.

Eine Besonderheit der Depression besteht dabei darin, dass die möglichen Symptome unterschiedlichste psychische und körperliche Aspekte betreffen können. Aus diesem Grund ist sie von Personen ohne medizinische oder psychotherapeutische Ausbildung meist nur schwer als solche zu erkennen, weshalb von Selbstdiagnosen abgeraten wird.

Hinzu kommt, dass besonders in der Frühphase einer depressiven Erkrankung eher unspezifische Anzeichen auftreten, die auch auf eine Reihe weiterer Erkrankungen hindeuten könnten. Nichtsdestotrotz ist eine Depression klar von anderen Erkrankungen und Zuständen, mit denen sie allgemeinsprachlich häufig vermengt wird, abzugrenzen.

Haupt- und Zusatzsymptome

Unterschieden werden Haupt- und Zusatzsymptome.

Während die Hauptsymptome bei beinahe allen Betroffenen festgestellt werden können, treten aus der größeren Gruppe der Zusatzsymptome in vielen Fällen nur einige auf. Die Anzahl der jeweils auftretenden Symptome wird dabei nicht nur zur Diagnosestellung, sondern auch zur Unterscheidung des Schweregrads genutzt. 

Hierbei kommen weiterhin häufig Fragebögen zum Einsatz, die explizit nach der Schwere der auftretenden Symptome fragen und so weiteren Aufschluss hinsichtlich des Schweregrads der depressiven Erkrankung geben können.

Die Hauptsymptome einer Depression

Unterschiede werden drei Hauptsymptome:

Die Bezeichnung dieses Symptoms stiftet häufig Verwirrung: Depressive Stimmung als Symptom einer Depression zu benennen, klingt nach einem Zirkelschluss. Entscheidender als die Bezeichnung ist jedoch der Inhalt dieses Hauptsymptoms. So ist in der psychiatrisch-psychotherapeutischen Literatur relativ eindeutig definiert, was unter einer depressiven Stimmung zu verstehen ist. Zunächst unterscheidet sie sich deutlich von Trauer oder einer alltäglichen Niedergeschlagenheit. Gemeint ist vielmehr eine über einen längeren Zeitraum gedrückte Stimmung, die nicht eindeutig auf ein auslösendes Ereignis (etwa einen Todesfall oder das Ende einer Beziehung) zurückzuführen ist. Auch das Gefühl der Gefühllosigkeit oder der inneren Leere wird zur depressiven Stimmung gezählt.

Die meisten Betroffenen empfinden Tätigkeiten, die ihnen früher große Freude bereiteten, nicht mehr als angenehm. Vorherrschend ist stattdessen das Gefühl von Indifferenz: Jegliche Aktivität erscheint bedeutungslos, nichts bereitet mehr Freude. Daraufhin geht in aller Regel das Interesse an den betroffenen Aktivitäten verloren. Da der Freud- und Interessenverlust sich dabei nicht nur auf einzelne Aspekte des eigenen Lebens bezieht, sondern meist umfassend ist, wird dieser Umstand als quälend erlebt. Immer häufiger wird sich auch die Frage nach dem Sinn des Lebens gestellt. 

Depressiven Menschen fällt es schwer, morgens aufzustehen, aus dem Haus zu gehen oder selbst einfache Tätigkeiten zu erledigen. Überwinden lässt sich das indes nicht durch einen einfachen Willensakt: Der Mangel an Antrieb ist ein durch die Erkrankung bedingt. Hinzu kommt, dass bei Aktivitäten jedweder Art meist schnell eine körperliche Erschöpfung auftritt.

Die Zusatzsymptome einer Depression

Neben den genannten treten im Rahmen einer Depression auch weitere Symptome auf.

Zu diesen Zusatzsymptomen zählen die folgenden:

In einem Buch ständig eine Seite zurückzublättern, da vergessen wurde, was auf der vorherigen stand, ist im Rahmen einer Depression keine Seltenheit. Gelegentlich wird aufgrund der Konzentrations-, Aufmerksamkeits- und Erinnerungsprobleme vor allem bei älteren Menschen statt einer Depression gar eine Demenz diagnostiziert. Auffallen können die Konzentrations- und Aufmerksamkeitsprobleme dabei in jedem Bereich des Lebens. Von vergessenen Einkäufen über Teilnahmslosigkeit in einem Gespräch bis hin zum Nichtzuhörenkönnen in Vorlesungen oder Meetings ist alles möglich.

Depressive Menschen leiden fast immer an einem verminderten Selbstwertgefühl und -vertrauen: Sie sind mit sich unzufrieden, trauen sich selbst einfachste Dinge nichts zu und werden dadurch in ihrem Alltag massiv beeinträchtigt.

Gefühle von Schuld und Wertlosigkeit sind häufig mit dem geringen Selbstwertgefühl verbunden. Die Schuldgefühle müssen dabei nicht konkret gegenstandsbezogen sein, sondern können sich auch als diffuse Grundstimmung äußern. Depressive denken ferner häufig, Zuneigung oder positive Erlebnisse nicht verdient zu haben. Sie haben das Gefühl, in konkreten Situationen oder allgemein im Leben versagt und ihre Lage verdient zu haben.

Der Gedanke an die Zukunft ist für Depressive nicht selten ein schrecklicher: Es wird nie mehr besser werden. Wo andere Menschen die Zukunft differenziert oder optimistisch wahrnehmen, attestieren Depressive ihr keine potentiell positiven Aspekte, sondern gehen davon aus, dass die eigene Lage nicht zu verbessern sei.

Die Depression ist eine potentiell tödliche Erkrankung: Zehn bis fünfzehn Prozent der Menschen mit einer schweren rezidivierenden Depression sterben durch die eigene Hand; vierzig bis siebzig Prozent der an Depression erkrankten Menschen haben Suizidgedanken.

Depressionstypisch sind Ein- und Durchschlafprobleme sowie ein frühes Erwachen am Morgen. Vielfach stellen sie eines der ersten Symptome der Erkrankung dar.

Viele depressive Personen verlieren deutlich an Gewicht, da ihnen das Essen keine Freude mehr bereitet. Alles schmeckt trist, nichts ist mehr ein Genuss. Hinzu kommt teilweise eine Abnahme des Hungergefühls.

Weitere Symptome einer Depression

Neben den genannten Symptomen, die im ICD-10 als Diagnosekriterien genannt sind, können weitere auftreten.

Hierzu zählen etwa:

Darüber hinaus ist darauf hinzuweisen, dass eine Depression in vergleichsweise vielen Fällen zusammen mit anderen psychischen Erkrankungen auftritt. So erfüllen etwa viele Patientinnen und Patienten zugleich die Kriterien für die Diagnose einer Angststörung. Hinzu kommt die psychotische Depression als Sonderform, bei der es zusätzlich zu den typischen Symptomen zu Wahnvorstellungen kommt.

Schweregrade einer Depression

Die Diagnose wird gestellt, wenn mindestens zwei Haupt- und zwei Zusatzsymptome über einen Zeitraum von mindestens zwei Wochen bestehen. Unterschieden werden im Rahmen der Diagnosestellung – wie bereits erwähnt – verschiedene Schweregrade:

Rezidivierende depressive Störung

Im Rahmen der Diagnosestellung wird zudem zwischen einer isolierten und einer rezidivierenden depressiven Störung unterschieden.

Der Unterschied zwischen beiden Formen besteht jedoch nicht in den auftretenden Symptomen; eine rezidivierende depressive Störung liegt vielmehr dann vor, wenn in der Vorgeschichte bereits mindestens eine depressive Episode diagnostiziert wurde.

Es handelt sich also um eine wiederkehrende Form der in jedem Falle durch die genannten Symptome gekennzeichneten Depression.